In memoriam Annerose Kemp

* 20. August 1936  - † 9. Dezember 2013

 Porträt Annerose Kemp 2011

Am 9. Dezember 2013 verstarb nach langer schwerer Krankheit die Studiendirektorin i. R. Annerose Kemp.  Sie war 1993 Mitbegründerin der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. und seit 2013 auch unser Ehrenmitglied. Besonders die Beschäftigung mit der bedeutenden Fröbel-Pädagogin Henriette Goldschmidt prägte das Leben von Annerose Kemp seit ihrem Studium, während und nach ihrer Tätigkeit als Fachschuldozentin und Studiendirektorin an der Henriette-Goldschmidt-Schule zu Leipzig.

Ihr fachliches Interesse am pädagogischen Werk von Henriette Goldschmidt erweiterte sie auch auf die Genealogie der Familien Goldschmidt sowie des Musikverlegers und Stifters Henri Hinrichsen, die aus Leipzigs Geschichte nicht wegzudenken sind. Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde der Weg frei in die Archive im Westen Deutschlands, in England und den USA und damit zu bisher nicht zugänglichen Informationen. Annerose Kemp nahm nun zu den Nachkommen beider aus Leipzig vertriebenen Familien Kontakt auf, traf sie persönlich und lud sie nach Leipzig ein. Damit leistete sie einen bedeutenden Beitrag zum Geschichtsbewusstsein und zur Erinnerungskultur in Leipzig. So kämpfte sie auch gemeinsam mit der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. jahrelang für den Erhalt des Henriette-Goldschmidt-Hauses. Umso schwerer traf sie der Abriss des Hauses im März 2000 – im Jahr des 175. Geburtstages von Henriette Goldschmidt. Bleiben werden jedoch die in zahlreichen Veröffentlichungen dokumentierten Ergebnisse der Frauengeschichtsforschung von Annerose Kemp und das Archiv Kemp, eine Sammlung von Publikationen, Reden und Aufsätzen Henriette Goldschmidts, das auch der praktischen und ideellen Unterstützung durch ihren Ehemann Horst Kemp zu verdanken ist. Bleiben wird auch die 1996 von ihr initiierte Gedenktafel für Henriette Goldschmidt an der Kindertagesstätte Spittastraße 7. In ihrem Referat zum 19. Louise-Otto-Peters-Tag 2011 bezeichnete Annerose Kemp Henriette Goldschmidt als einen Glücksfall für Leipzig. Ihr eigener Beitrag zur Erforschung des Lebens und Wirkens von Henriette Goldschmidt, der deutschen Frauenbewegung und Fröbel-Pädagogik sowie der Entwicklung der Hochschule für Frauen, der heutigen Henriette-Goldschmidt-Schule, bleibt ein Glücksfall für die Leipziger Frauengeschichtsforschung. Die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. verliert mit Annerose Kemp eine weitere maßgebliche Forscherin aus der Generation der Gründerinnen, eine leidenschaftliche Streiterin für die Rechte der Frauen und einen liebenswerten, warmherzigen Menschen, dessen Andenken die Gesellschaft in hohen Ehren halten wird.

 

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