Prof. Dr.-Ing. habil.
Käte Rosenberger
* 04.12.1939 Berlin – † 25.07.2025 Leipzig
Käte Rosenberger setzte sich erstmals am 20.01.2022 mit der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. in Verbindung, um sich ehrenamtlich für das Archiv zu engagieren. Bis dahin hatte sie einen beeindruckenden Werdegang in MINT-Berufen zurückgelegt: Sie hatte Maschinenbau studiert und ist den langen Weg von einer Industrietätigkeit über eine Dozentur an der Uni Jena bis zu einer Professur für Konstruktion im Maschinenbau an der HTWK Leipzig gegangen. Nach ihrer Emeritierung sowie dem endgültigen Beenden ihrer Lehre an der Uni Leipzig ("Maschinenelemente für technische Übersetzer") hätte sie viel freie Zeit gehabt, die sie sinnstiftend verbringen wollte, was sich als ein absoluter Glücksumstand für den Verein herausstellen sollte.
Gezielt suchte sie in der Datenbank der Freiwilligen Agentur Leipzig nach einer passenden ehrenamtlichen Tätigkeit und wurde auf das von mir geschaltete Gesuch aufmerksam, bei der Transkription von Louise Otto-Peters‘ Autographen im Archiv mitzuwirken. Das Angebot sei „eine interessante Möglichkeit, noch etwas Nützliches zu tun und Neues zu lernen“, schrieb sie mir. Auch Louise Otto sei ihr nicht unbekannt; sie las vor langer Zeit einen Roman aus dem Bücherschrank der Eltern – „Nur eine Frau“ von Hedda Zinner (sogar signiert von der Autorin). Ihre Mutter hätte sich zu DDR-Zeiten sehr aktiv im DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschlands) engagiert und war Stadträtin für Soziales, eventuell habe sie die Autorin bei einer Buchlesung angetroffen.
Mitte Februar 2022 kam unser erstes Treffen zu Stande. Von erster Minute an war ich von ihr sehr eingenommen. Wenn sie Anekdoten aus ihrem Leben erzählte oder später kluge Verknüpfungen aus der Historie mit Momenten der Gegenwart herstellte, hing ich an ihren Lippen. Besonders beeindruckt hat mich, wie modern sie war. Zum Treffen erschien sie mit ihrem DELL-Laptop, loggte sich selbstverständlich im WLAN ein, hatte sich über KI-unterstützte Transkriptions-Software informiert und fing direkt am nächsten Tag an, in der DropBox zu arbeiten und zu transkribieren. Später arbeitete ich sie sogar in unsere Archivdatenbank FAUST ein, worin sie nach und nach ihre Transkripte mit den dazugehörigen Datensätzen verknüpfte und ihre etlichen Erkenntnisse für die Nachwelt erfassen konnte.
So hatte sich noch im selben Jahr eine kleine „AG Louise“ gegründet, in dessen Kern drei Frauen (Dr. Gabriele Sunkel, Prof. Dr. Käte Rosenberger, Marlis Kaufmann) Autographen transkribierten und sich dazu auch gerne mal im Biergarten trafen. Käte Rosenberger war keine Historikerin und auch keine Feministin, wie sie immer wieder klarstellte (ich nehme an, dass Gleichstellung für sie eine Selbstverständlichkeit war, die sie auch mit jeder Faser gelebt hat). Doch hatte sie ihre Tätigkeit und die Beschäftigung mit Louise Otto-Peters und ihrer Zeit zunehmend und spürbar gefesselt: „Es ist auch interessant, nach Hintergründen im Internet zu wühlen und ich werde nicht dümmer davon“, stellte sie in ihrer bodenständigen Art fest.
Schnell war der Punkt erreicht, dass sämtliche (kleinere) Autographen, die bei uns noch nicht transkribiert vorlagen, abgearbeitet waren und Frau Rosenberger wieder eine neue Mail mit dem Betreff „Bitte um neue Arbeit“ schrieb oder sich selbst Arbeit suchte. Schließlich hatte ich ihr ein größeres Projekt anvertraut: Die Transkription von Louise Ottos handschriftlichen, journalistischen Reisebriefen sowie die Abschrift der publizierten Abschnitte im Wandelstern (politische Reisebriefe) – mit dem Ziel der Herausgabe eines LOUISEums über Louise Ottos Reise nach Schlesien und Thüringen.
Gemeinsam mit Marlis Kaufmann arbeitete sie sich in die überaus komplizierte Überlieferungsgeschichte der Reisebriefe ein, füllte Überlieferungslücken mit anderen Fundstücken aus Louises Feder und verfasste eine Rohfassung für eine Publikation, worin alle Quellen sinnvoll zusammengestellt wurden. Einen Titel hatte sie auch schon parat: „Mit Strohhut und blauer Schleife“. Von Louises Reiseberichten war Frau Rosenberger so eingenommen, dass sie sich mehrmals auf ihre Spuren begab und einige Orte nachreiste. Einmal empörte sie sich, dass an einem Haus, worin Louise einst übernachtete, heute lediglich eine Goethe-Gedenktafel prankte. Nun ist dieses Publikationsprojekt leider vorerst auf Eis gelegt.
Im März 2025 trafen wir uns zuletzt gemeinsam mit Prof. Dr. Susanne Schötz bei Dr. Irina Hundt im beschaulichen Schwielowsee, um ein weiteres Publikationsvorhaben zu besprechen: Die Herausgabe von Louise Otto-Peters' Autographen "Selbsterlebtes", den Dr. Irina Hundt bereits in einem DDF-Projekt transkribiert hatte. Es wurde bald offenkundig, dass sich die Arbeit an diesem LOUISEum verzögern würde und ich weiß noch wie Käte Rosenberger zweimal darauf hinwies, dass sie doch keine Zeit mehr habe... Sie hatte sich gleich nach dem Treffen in die Spur gemacht, die Transkriptionen noch einmal mit den Originalen im Depositum abzugleichen und hatte bereits damit begonnen, Lesefassungen der Transkripte zu erstellen und auf Unstimmigkeiten hinzuweisen. Ohne ihren unermüdlichen Arbeitseifer wird sich die Herausgabe nun wohl ebenso auf unbestimmte Zeit verzögern.
Im Juni darauf kam mein Sohn zu Welt, und sie gratulierte mir noch recht herzlich zu dem freudigen Ereignis. So traf mich die Nachricht von ihrem für mich plötzlichen Tod einen Monat später äußerst unerwartet. Ihr Fehlen schmerzt sehr, hatte ich mich doch so auf die gemeinsamen Projekte und kommenden Arbeitstreffen gefreut, sobald ich aus der Elternzeit zurückgekehrt wäre. Auch im Vereinsleben hinterlässt Käte Rosenberger eine große Fehlstelle, war sie doch mit ihrer wachsenden Expertise zunehmend eine wichtige Ansprechpartnerin bei inhaltlichen und thematischen Fragen des Vorstands oder von Archivnutzenden geworden. Sie nahm stets regen Anteil an den Geschicken des Vereins, besuchte Veranstaltungen, und nahm an Arbeitssitzungen zur Zukunft des Archivs teil. Leider konnte ich Sie nie dazu überreden, ein formelles Mitglied im Verein zu werden, doch für uns alle, die mit ihr zu tun hatten, war sie es schon längst.
— Constanze Mudra-Bartsch
Im Jahr 2021 begann ich für das Louise-Otto-Peters Archiv Texte von Louise Otto-Peters zu transkribieren. Ein Jahr später stieß Käte Rosenberger zur Arbeitsgruppe. Mit ihr erhielt ich eine gewissenhafte und kompetente Partnerin mit der ich mich zu schwierigen Textpassagen austauschen konnte.
Da wir uns mitten in der "Coronazeit" befanden, trafen wir uns zunächst im Freisitz des Glashauses im Clara-Zetkin-Park, um die von uns transkribierten Texte von Louise Otto-Peters zu besprechen. Ich erinnere mich an neugierige Zuhörer am Nachbartisch, die wissen wollten, was die Damen Geheimnisvolles taten, wenn wir gemeinsam Louises Gedichte mühsam entschlüsselten. Käte Rosenberger interessierte zunächst nur die korrekte Form der Schriftenübertragung.
Doch das änderte sich sehr schnell und wir fanden über das faszinierende Leben von Louise zu Themen in unserer Vergangenheit. Auch Käte Rosenberger hatte ein bewegtes Leben, von dem sie spannend erzählen konnte. Bei diesen Gesprächen entdeckten wir unsere gemeinsamen Vorlieben, wie die Musik. So denke ich immer, wenn ich Stücke von Schostakowitsch höre, an Käte Rosenberger, die den Komponisten sehr schätzte.
Es war eine Freude mit ihr zu arbeiten, denn Käte Rosenberger war offen, hatte Ideen und stellte ihre Leistung nur in den Dienst der Sache. Wir verbrachten später sehr viele Stunden an unserem Esstisch, um gemeinsam die transkribierten Tagebücher von Louise Korrektur zu lesen.
Gerne hätte ich Käte Rosenberger früher kennengelernt und gerne hätte ich länger mit ihr zusammengearbeitet. Unsere gute Zusammenarbeit und unsere freundschaftlichen Gespräche werde ich aber immer in bester Erinnerung behalten.
— Dr. Gabriele Sunkel
Frau Rosenberger habe ich vor etwa drei Jahren bei LOP kennengelernt und bis zu ihrem unerwarteten Tod eng mit ihr zusammengearbeitet. Bei jeder Zusammenkunft bei ihr Zuhause – wir hielten das so, weil sie wesentlich älter war, dabei ächzte ich mit meinem Laptop die vier Etagen zu ihr hinauf, während sie die Treppen recht flink nahm – ging es nach konzentrierter und fruchtbarer Arbeit in unseren Gesprächen um viele Themen, hauptsächlich um Reisen, Kunst, Kultur, Geschichte und Politik. Sie war vielseitig interessiert und beeindruckte mich durch ihre Informiertheit, ihr Wissen, Ihre Beharrlichkeit, Ihren Pragmatismus, ihre Hilfsbereitschaft und ihre Unkonventionalität.
Eine Geschichte kann – oder muss – ich erzählen, damit man einen Eindruck von ihr bekommt: Ganz kurz nach unserem Kennenlernen, wir hatten uns erst ein paarmal im LOP-Archiv gesehen, erhielt ich einen Anruf von ihr: „Frau Kaufmann, kann ich heute eventuell bei ihnen übernachten? Bei uns gibt es auf einer Baustelle in der Nähe einen Bombenfund, wir müssen alle die Wohnungen verlassen, da wir im Sperrkreis liegen. Ich möchte nicht in die gestellte Notunterkunft und weiß nicht, wen ich sonst fragen könnte …“ Es war kein Problem für mich, im Gegenteil, wir haben uns an dem Abend gut unterhalten und besser kennengelernt. Das meine ich mit „unkonventionell“ und „pragmatisch“, vielleicht auch mutig, und es hat mich tief beeindruckt.
Ihre Beharrlichkeit lernte ich bei der gemeinsamen Arbeit kennen. Sie blieb an allen sich stellenden Fragen dran, forschte im Internet, in Bibliotheken, schrieb Einrichtungen an, kontaktierte Leute und besuchte Orte, die Louise Otto beschrieb, alles um etwas im Originaldokument zu klären. Aber auch hierbei war sie pragmatisch – war etwas nicht aufklärbar, musste es so gekennzeichnet stehen bleiben.
Ihre präzise und fundierte Arbeitsweise war sicher in ihrer beruflichen Vergangenheit begründet. Die Frau Professorin einer technischen Hochschule beeindruckte mich mit ihrer persönlichen Laufbahn, aber auch mit dem, was sie nach dem Renteneintritt so auf die Beine stellte, ich denke da z.B. an ihre Gastprofessur in Mexiko. Dabei erschien sie nie auf sich selbst bezogen, sondern eher bescheiden und rücksichtsvoll. Sie konnte gut zuhören und überraschte mich immer mal wieder mit einem Zeitungsartikel oder einem Hinweis zu einem Thema, das mich gerade interessierte.
Dann ging es ihr auf einmal gesundheitlich sehr schlecht. Noch auf der Palliativstation war es ihr wichtig, mir die Dateien von ihrem Computer zu überspielen, die wir gemeinsam bearbeitet hatten.
Sie war so bereichernd, in jeder Beziehung, genau das versuche ich für mich zu bewahren, auch wenn ihr Tod für mich ein Verlust ist.
— Marlis Kaufmann
Ich habe Käte Rosenberger leider viel zu spät kennengelernt. Sie war eine großartige Frau: Klug, resolut, tief- und feinsinnig, unkompliziert. Dazu immer mit einem Plan und viel Umsicht bei ihren Recherchen zu Louise Otto-Peters und den Transkriptionen ihrer Texte. Ich vermisse die Begegnungen mit ihr, ich vermisse sie.
— Prof. Dr. Susanne Schötz


